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Veröffentlicht: 4. Februar 2026

Besser Mehrweg als mehr Müll – Warum wir eine Einwegverpackungssteuer in Köln fordern

Jan Michael Einwegverpackungssteuer vor dem Rathaus Köln

Lieber Mehrweg als mehr Müll

Warum wir eine Einwegverpackungssteuer in Köln fordern

Bereits im Jahr 2025 hat der Kölner Rat die Verwaltung beauftragt eine Einwegverpackungssteuer nach dem Modell von Tübingen für Köln zu entwerfen und dem Rat vorzulegen.

Wir haben die Ratssitzung begleitet und im Anschluß eine Pressemitteilung dazu verfasst.

In der Zwischenzeit haben Greenpeace Köln und Zero Waste Köln ein gemeinsames Kölner Positionspapier erstellt und es zum Mitzeichnen freigegeben.

Positionspapier Kommunale Einweg-Verpackungssteuer in Köln

Mittlerweile hat sich auch die Initiative Verpackungswende bundesweit formiert, die eng mit uns abgestimmt ist und wir auch unterstützen. Sie haben ein bundesweites Positionspapier entworfen und weitere Akteuere gewonnen, die es unterschrieben haben.

Kosten des Einwegmülls

Die genauen Kosten des Einwegmülls können nicht trennscharf ermittelt werden, weil es noch keine einheitliche Definition von Einwegverpackung und keine Datenmessung hierzu gibt.

Aber wir können uns den Kosten von Restmüll indikativ annähern. Insbesondere der Verbrennung.

1.000 kg Restmüll in Köln zu verbrennen kostet als Gebühr ca. €180 – €240 pro to.

Preise der CO2-Steuer bisher oftmals unberücksichtigt

CO2e Preisprognosen bis 2035
Die Betreiber:innen der Müllverbrennungsanlage müssen seit einiger Zeit eine CO2-Steuer auf fossile Verbrennung abführen. Diese liegt derzeit bei 55 – 65€ je to CO2e. Tendenz stark ansteigend. Erwartet wird nach Öffnung der Regulierung des CO2 Preises eine Spanne von 200 – € je to CO2e auf dem freien Markt. Wieviel CO2e die Verbrennung einer Tonne Restmüll erzeugt können wir noch nicht sagen. Kannst Du uns dabei helfen, das zu recherchieren?

Hierbei nicht einkalkuliert ist die Abholung des Restmülls entweder aus den Straßenpapierkörben, der Umwelt bei Littering, oder die Sortierkosten falls es in die Gelbe Tonne entsorgt wurde (was rechtlich der richtige Entsorgungsweg ist, jedoch wegen der Verbundfolien (Pappe mit Funststofffolien) kaum trennbar und kaum recyclebar ist.

Aus einer Tonne Restmüllverbrennung entsteht ca. 30% Schlacke/Restasche, die ebenfalls abtransportiert und sehr aufwendig in unterirdischen Stollen oder im Straßenbau entsorgt werden muss.

Die Rauchgasstäbe in den Filteranlagen müssen ebenfalls regelmässig gewartet und ausgetauscht werden. Die Kosten hierfür und die Häufigkeit ist uns auch noch nicht bekannt.

Dazu kommt noch die Administration und rechtskonforme Durchführung sämtlicher Umweltauflagen für die Verbrennung.

Schätzung der Gesamtkosten

Wir schätzen für die Gesamtkosten der Verbrennung einer Tonne Restmüll also eine Spanne von 300€ bis 500€.

Steuer als Lenkungswirkung

Um diese Kostenexplosion zu umfahren, plädieren wir dafür frühzeitig den Umgang mit Konsummitteln umzustellen und weniger Verpackungen zu nutzen, die

  1. kurz genutzt werden
  2. einmalig genutzt werden
  3. oft Littering verursachen
  4. schwer oder kaum wiederverwendet werden
  5. oder kaum zu rezyklieren sind

Die Einwegverpackungssteuer hat genau so eine Lenkungswirkung. Mehrweg wird somit gefördert und attraktiver für die Endkonsument:innen gemacht und Einwegverpackungen werden dadurch unattraktiv.

Idealerweise werden die Steuereinnahmen aus dieser Einwegverpackungssteuer dafür genutzt einen Mehrwegbooster lokal zu finanzieren. Andere Städte sind bereits auf dem Weg solche Mehrwegoffensiven aufzubauen und einzuführen.

Nächste Ratssitzung

Das Gegenteil ist der Fall. Tübingen und Koblenz haben schon viele Erfahrungen gesammelt und konnten die Einführung der Steuer mit 1,5 Stellen durchführen. Im laufenden Betrieb werden demnächst die internen Abläufe noch einfacher und man kann vermutlich auf 0,5 Stellen in der Stadtverwaltung reduzieren. Manche Gastronom:innen haben gar keine Aufwände mit der Einwegverpackungssteuer, weil sie komplett auf Mehrweg umgestellt haben. Siehe hierzu das Video „Stimmen aus der Gastro

Der Entwurf der Verwaltung muss dem Rat vorgelegt werden und dann muss dieser über diese Vorlage entscheiden. Diese Prozesse kann man noch nicht abschätzen. Nach Beschluss braucht es für die Einführung in der Verwaltung vermutlich 2 Jahre, so dass die Einnahmen ab ca. 2028/29 in den Haushalt einfließen.

Auch wenn es einige offensichtliche Einwegverpackungen oder -produkte, wie Kunststoffbesteck, Folierte Pappteller, Eislöffel mit Mehrwegbeschriftungen gibt, sind sie nicht erlaubt. Das wurde uns von Umweltbundesamt bestätigt.

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