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Veröffentlicht: 19. Mai 2026

Keine Neuverhandlung über EU-Verpackungsverordnung!

McFlurry-Verpackungen stapeln sich auf einem öffentlichen Mülleimer.

In einem geleakten Brief an die EU-Institutionen fordern die CEOs von mehr als 100 Großunternehmen – viele davon nicht einmal mit Sitz in der EU – eine Verzögerung sowie Neuverhandlungen der neuen EU-Verpackungsverordnung. Zu dieser illustren Runde zählen neben einigen der weltweit größten Einwegmüllproduzenten wie The Coca-Cola Company und McDonald’s auch deutsche Unternehmen wie die riha WeserGold Getränke GmbH & Co. KG. Letztere dürfte insbesondere ehrenamtlichen Müllsammler:innen durch die zahllosen Einweg-Trinkpäckchen der Marke „Durstlöscher“ bekannt sein, die in Straßenzügen, Parks und Grünanlagen der Republik herumliegen. Gemeinsam fordern die Unternehmen unter anderem Lockerungen beim Verbot potenziell gesundheitsgefährdender Ewigkeitschemikalien in Lebensmittelverpackungen, längere Übergangsfristen sowie zusätzliche Ausnahmen für Einwegverpackungen.

Ballauf und Schenk stehen am Stehtisch. Vor ihnen ein Ketschup- und ein Senfspender, sowie zwei Kölschgläser.

Auch Kölns berühmteste Wurstbraterei setzt auf Saucenspender (c) WDR

Unter anderem wollen sie auch das Verbot verpackter Gastro-Einzelportionen – also Kleinstverpackungen für Ketchup, Saucen, Salz oder Zucker – kippen. Angeblich gebe es hierfür keine Alternativen und selbst bis 2030 seien die milliardenschweren Konzerne nicht in der Lage, marktreife Lösungen zu entwickeln. Dabei gilt das Verbot der Ketchup- und Saucen-Kleinstverpackungen ohnehin nur für den Verzehr vor Ort.

Im Take-away-Geschäft dürfen sie auch nach 2030 weiter eingesetzt werden. Den hochbezahlten Führungskräften des amerikanischen Fast-Food-Giganten sei vielleicht ein Besuch bei Oma Ernas Pommesbude empfohlen, oder bei den zehntausenden anderen Restaurants und Imbissen, die seit Jahrzehnten gänzlich ohne diesen Einwegmüll auskommen.

Breiter Widerstand aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft

Gemeinsam mit Zero Waste Europe, Rethink Plastic und  mehr als 160 weiteren Organisationen aus der Zero-Waste-Bewegung, Verbraucherschutzverbänden, Universitäten und Unternehmen haben wir daher einen offenen Brief an die EU-Institutionen geschrieben. Darin fordern wir die europäischen Entscheidungsträger:innen auf, standhaft zu bleiben und die Verpackungsverordnung nicht durch einen Hinterzimmerdeal auszuhöhlen – eine Verordnung, die über drei Jahre hinweg demokratisch verhandelt und schließlich mit Mehrheit beschlossen wurde.

Die EU-Verpackungsverordnung ist ein entscheidender Meilenstein, um Verpackungsabfälle drastisch zu reduzieren, nicht recycelbare Verpackungen schrittweise zu eliminieren und den Übergang zu einer sicheren Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.

Es ist enttäuschend, einen weiteren Versuch zu erleben, eine Gesetzgebung zu verzögern und abzuschwächen, die darauf abzielt, Bürgerinnen und Bürger zu schützen und das unkontrollierte Wachstum von Verpackungsabfällen zu stoppen. Glücklicherweise sprechen die üblichen Verdächtigen hinter dem CEO-Brief nicht für die Mehrheit der Verpackungswertschöpfungskette. In ganz Europa unterstützen zahlreiche Unternehmen – darunter auch große Marktakteure – die Verordnung weiterhin aufrichtig und investieren bereits in die Vorbereitung auf ihre Umsetzung. Wir stehen an der Seite der EU-Institutionen, um die Integrität der Verordnung zu bewahren und eine wirksame Umsetzung sicherzustellen.

Marco Musso, Deputy Policy Manager for Circular Economy at the European Environmental Bureau

Einwegmodelle auf Kosten der Allgemeinheit

Genau jene CEOs und Unternehmen, die nun versuchen, die Verordnung abzuschwächen oder zu verzögern, haben über Jahrzehnte maßgeblich zur heutigen Müllkrise beigetragen. Mit immer mehr Einwegverpackungen haben sie die Welt überschwemmt, den globalen Ressourcenverbrauch angeheizt und die ökologischen sowie finanziellen Folgekosten auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Jede Verzögerung bei der Umsetzung der Verpackungsverordnung bedeutet Millionen Tonnen vermeidbaren Abfalls, der weiterhin unsere Umwelt belastet und häufig unter hohen finanziellem Kosten verbrannt wird. Angesichts der drängenden Klima- und Ressourcenschutzziele darf dies nicht verhandelbar sein.

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